Eingeflossen sind die Erkenntnisse und Anmerkungen aus der ersten Jurysitzung Ende Mai. Nun steht ein überzeugender Entwurf von hoher architektonischer Qualität, der sicher im vereinbarten Kostenrahmen von 75 Millionen Euro und im Zeitplan für eine Fertigstellung 2029 bleibt.
„Mit dem NOVO werden wir die Innenstadt weiterentwickeln und nachhaltig beleben“, erläutert Bremerhavens Bürgermeister und Stadtkämmerer Torsten Neuhoff. „Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass die Kosten im vereinbarten Rahmen bleiben. Das ist mit diesem aktualisierten Entwurf in Kombination mit dem Allianzverfahren für das NOVO gewährleistet.“ Die 75 Millionen Euro für den Neubau wird die Städtische Grundstückgesellschaft (STÄGRUND) investieren und auf 30 Jahre über Mieteinnahmen refinanzieren. „Der aktuelle NOVO-Entwurf gibt der Stadt Bremerhaven zudem ein großes Maß an Wirtschaftlichkeit und Flexibilität bei der Ausgestaltung, Nutzung und Erweiterung des Gebäudes. Angesichts der weit vorausschauenden Innenstadt-Planung ist das an dieser Stelle Gold wert.“
Überaus positiv fielen auch die Aussagen der Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter sowie der anwesenden Bremerhavenerinnen und Bremerhavener aus. Sie lobten die einladende, transparente Gestaltung, die intensive Begrünung und die Anbindung an das Columbus Center. Die einzigartige Kombination aus Jugendherberge und Stadtbibliothek als „Dritter Ort“ böte ein deutschland- oder sogar europaweites Alleinstellungsmerkmal. Mehrfach gab es Lob für die Architekten der Allianz „NOVO Bremerhaven“, die Minus- und Pluspunkte aus der Maisitzung zu einem gelungenen, neuen Entwurf verarbeitet hätten. „Da ist Musik drin“, sagte ein Jurymitglied.
Am 29. Mai war die renommiert besetzte Jury erstmals zusammengekommen, um aus damals noch drei Entwürfen den besten Kurs für das NOVO auszuwählen. Den Gewinner-Entwurf „Baukasten“ und zahlreiche Anmerkungen der Fach- und Sachpreisrichter sowie der beteiligten Vertreter aus der Stadtgesellschaft nahm die Integrierte Projektallianz (IPA) „NOVO Bremerhaven“ auf, um daraus den heute vorgestellten Entwurfsstand zu entwickeln.
„Die Allianz hat einen Entwurf vorgestellt, der von hoher Qualität und Eigenständigkeit ist und sich zugleich in die gewachsenen Strukturen von Fußgängerzone und Columbus Center einfügt“, lobt STÄWOG-Geschäftsführer Sieghard Lückehe. „Der aktuelle Planungsstand erfüllt unseren hohen Anspruch an ein identitätsstiftendes Gebäude im Herzen der Stadt und erlaubt gleichzeitig eine Fertigstellung im notwendigen Kosten- und Zeitrahmen. Das war und ist keine einfache Aufgabe.“
Wie schon bei der Jurysitzung und dem jüngsten Bürgerdialog kommuniziert, bestand die größte Herausforderung darin, die Flächen des NOVO so weit zu reduzieren, um im Budget der finanziellen Möglichkeiten der Stadt zu bleiben. „Die Allianz hat dabei den ganzen Lebenszyklus des Gebäudes im Blick, von der Planung über den Bau bis zur späteren Nutzung“, informiert Lückehe. „Den Entwurf hat die Allianz kooperativ mit dem Auftraggeber und den späteren Mietern entwickelt.“ Mit am Tisch saßen also die Stadt Bremerhaven, die Stadtbibliothek Bremerhaven, das Deutsche Jugendherbergswerk sowie alle Partner der Allianz „NOVO Bremerhaven“ – vom Bauherren STÄWOG-Gruppe mit der unterstützenden BIS Wirtschaftsförderungsgesellschaft über die Architekten und Innenarchitekten bis zu den ausführenden Unternehmen.
„Wie wir bei dem Neubau dreier Schulen in Bremerhaven bewiesen haben, hat das IPA-Verfahren einen enormen Pluspunkt“, unterstreicht Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Bereits in der frühen Planung prüfen wir die Sicherheit der Kosten und Termine intensiv. Von Anfang an wird dabei die Realisierbarkeit an erster Stelle gestellt. Böse Überraschungen, die wir von herkömmlich organisierten Großprojekten kennen, werden so vermieden.“
Im Ergebnis ist ein eigenständiger, wirtschaftlicher und flexibler Gebäudeentwurf entstanden, der der mit einer markanten, zugleich sensibel auf die Umgebung abgestimmten Architektur einen neuen städtebaulichen Akzent setzt. Wie eine Tribüne ist der Baukörper in Höhe und Volumen gestaffelt und vermittelt so zwischen dem kleinteiligen historischen Umfeld und den größeren Gebäudestrukturen der Nachbarschaft. Vor- und Rücksprünge schaffen eine abwechslungsreiche Silhouette und nehmen Bezug auf die angrenzende Freiraum-Achse zwischen Havenwelten und Großer Kirche. Während an Fassadengestaltung und Materialien noch gearbeitet wird, ist eines schon klar: Große gläserne Flächen werden Licht und Blicke in das Gebäude einladen.
Im Inneren ist das NOVO als offenes Haus für Bildung, Kultur und Begegnung konzipiert. Dabei arbeitet die Allianz unter anderem mit dem renommierten niederländischen Bibliotheksarchitekt Aat Vos zusammen, der weltweite Erfahrung zum Thema Dritte Orte hat. Die Stadtbibliothek erstreckt sich mit vielfältigen Themenbereichen vom Erdgeschoss über drei Ebenen und bietet Raum zum Lesen, Experimentieren, Arbeiten und Austauschen. Gemeinsam mit der Gastronomie, sechs Tagungsräumen und einem eigenständigen Veranstaltungsraum entsteht ein vielseitiger öffentlicher Treffpunkt.
Die Dachflächen des „Baukastens“ werden unter anderem genutzt für einen öffentlich zugänglichen Stadtbalkon und einen Lesegarten, die Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien und Ausblicke über die Stadt ermöglichen, für eine Biodiversitätsfläche sowie für die Energieversorgung mit Photovoltaikanlagen. Die Zimmer der Jugendherberge ergänzen das besondere Nutzungskonzept des NOVO in den drei darüberliegenden Geschossen und fügen sich in die gestaffelte Dachlandschaft ein.
Eine klare Tragstruktur schafft die Grundlage für wirtschaftliches Bauen und langfristige Anpassungsfähigkeit. Großzügige Raumhöhen und ein regelmäßiges Stützenraster ermöglichen es, bei künftigem Bedarf zusätzliche Nutzflächen durch den Einbau von Zwischenebenen zu gewinnen. Auch die Vernetzung mit der Umgebung ist mitgedacht: Eine Außentreppe erschließt einen weiteren Eingang im ersten Obergeschoss sowie die Möglichkeit einer Wege- und Brückenverbindung zum Columbus Center.
„Mit dem heutigen Planungsstand haben wir im Zusammenspiel mit der Entwicklung des Eulenhof-Grundstücks einen sehr guten Kurs eingeschlagen für die Zukunft der Bremerhavener Innenstadt“, betont Bürgermeister Neuhoff. Bis zum geplanten Baubeginn im Jubiläumsjahr 2027 sei weiterhin „eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit über Bürger- und Jugenddialoge sowie über die gewählten Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung“ vorgesehen, versichert Neuhoff. „So werden wir 2029 mit dem NOVO die bestmögliche Lösung im Herzen der Fußgängerzone eröffnen können.“
Über das Projekt NOVO
Auf dem ehemaligen Karstadt-Gelände in der Bremerhavener Innenstadt kann mit dem NOVO ein neuer öffentlicher Ort für Bildung, Begegnung und Aufenthalt entstehen. Geplant ist eine einzigartige Kombination aus Stadtbibliothek, Jugendherberge, Veranstaltungsräumen und Gastronomie. Bürgerinnen und Bürger, Gäste, Kinder, Jugendliche, Familien und Touristinnen und Touristen sollen in diesem „dritten Ort“ lesen, lernen, arbeiten, übernachten, essen, sich treffen oder einfach Zeit verbringen können. Der Name „NOVO“ steht für Neubeginn und Erneuerung – und genau das soll das Projekt für die Innenstadt leisten: Aus einem früheren Warenhausstandort wird ein lebendiges und offenes „Wohnzimmer für alle“.
Über die Allianz „NOVO Bremerhaven“
Beim „NOVO Bremerhaven“ arbeiten Bauherr, Planende und ausführende Unternehmen nicht nacheinander, sondern von Anfang an gemeinsam. Die Integrierte Projektallianz bündelt Wissen, Erfahrung und Verantwortung in einem Team – ähnlich wie in einem „Unternehmen auf Zeit“. Einen ersten wichtigen Meilenstein bildete die Vertragsunterzeichnung am 22. Januar 2026: Seitdem sind die Planungspartner aus Objekt- und Tragwerksplanung und technischer Gebäudeausrüstung sowie die Ausführungspartner für Rohbau, Ausbau und technischen Ausbau offiziell Teil der Allianz. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Chancen und Risiken geteilt. So entsteht ein Projektklima, in dem nicht einzelne Interessen im Vordergrund stehen, sondern die beste Lösung für das Gesamtprojekt. Digitale Planung mit BIM und schlanke Prozesse nach LEAN helfen dabei, Abläufe transparent zu machen, Schnittstellen früh zu klären und Kosten sowie Termine verlässlich zu steuern. Ziel ist ein partnerschaftlicher Weg durch ein komplexes Bauvorhaben mitten in der Innenstadt.
Partner der Allianz „NOVO Bremerhaven“
- Bauherr: STÄWOG-Gruppe - Städtische Grundstücksgesellschaft mbH Bremerhaven in Zusammenarbeit mit der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH
- Objektplanung Gebäude: Planungsgemeinschaft aus
- blrm Architekt*innen GmbH Hamburg
- baubüro.eins GmbH & Co. KG Hamburg
- includi BV aus Groningen
- Tragwerksplanung: WTM Engineers GmbH Hamburg
- Planung TGA: HPS Haustechnik Planungsbüro Schumacher GmbH, Rheinbach
- Ausführung erweiterter Rohbau: Arbeitsgemeinschaft aus
- Freytag & v.d. Linde Projekt-, Management und Baugesellschaft mbH & Co. KG, Oldenburg
- Gottfried Stehnke Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Osterholz-Scharmbeck
- LUDWIG FREYTAG GmbH & C0. KG, Oldenburg
- Ausführung Ausbau: Lindner SE Ausbau Nord-West, Arnstorf
- Ausführung TGA: Linder SE Gebäudetechnik, Arnstorf